Woodstock Chimes
Wenn der Wind zum Musiker wird – Tonleitern, Akkorde und Obertöne – Klangspiele mit musikalischer Architektur
Bei Woodstock Chimes beginnt ein Klangspiel nicht allein mit seiner Form oder seinem Material, sondern mit einer musikalischen Idee.
Die Instrumente werden auf definierte Tonleitern, Akkorde, Tonfolgen oder besondere harmonische Strukturen abgestimmt. Pentatonische Skalen stehen neben Dur- und Mollklängen, musikalische Werke können ebenso zum Ausgangspunkt werden wie Naturtonreihen und Obertöne.
Der Wind entscheidet, wann ein Ton erklingt. Die Stimmung entscheidet, welche Töne miteinander möglich sind. Genau darin liegt der besondere Charakter von Woodstock Chimes.
Vom Musiker zum Klangspiel
Die Geschichte von Woodstock Chimes ist eng mit dem Musiker und Perkussionisten Garry Kvistad verbunden. Anfang der 1970er-Jahre experimentierte er mit Metallröhren und baute daraus zunächst ein Metallophon. Aus seiner Beschäftigung mit Klang, Stimmung und schwingendem Metall entwickelte sich später die Idee eines präzise gestimmten Windspiels.
1979 wurde das erste Chimes of Olympos verkauft.
Der musikalische Ausgangspunkt prägt Woodstock Chimes bis heute. Ein Windspiel wird hier nicht lediglich als dekoratives Objekt verstanden, das zufällig angenehme Töne erzeugt. Die Röhren werden so aufeinander abgestimmt, dass der Wind innerhalb eines bewusst gewählten musikalischen Rahmens spielen kann.
Warum die Stimmung so wichtig ist
Bei einem Windspiel lässt sich die Reihenfolge der Töne nicht festlegen. Eine Böe kann zuerst die längste Röhre anschlagen, eine leichte Bewegung vielleicht zwei kurze hintereinander. Eine Melodie im klassischen Sinn kann der Wind deshalb nicht zuverlässig wiederholen.
Umso wichtiger ist die Auswahl der Töne. Eine pentatonische Stimmung verwendet beispielsweise nur fünf Tonstufen. Viele Kombinationen dieser Töne harmonieren unmittelbar miteinander – ideal für ein Instrument, bei dem die Reihenfolge dem Zufall des Windes überlassen bleibt.
Das lässt sich beim Chimes of Earth besonders schön hören: Seine pentatonische Stimmung gibt einen musikalischen Rahmen vor, innerhalb dessen der Wind immer neue Folgen entstehen lässt.
Andere Woodstock Chimes greifen konkrete Akkorde oder musikalische Motive auf. Das Adagio Chime – Spanish Garden beispielsweise basiert auf dem eröffnenden Mollakkord des Adagios aus Joaquín Rodrigos Concierto de Aranjuez.
Das Instrument spielt das Werk nicht nach. Es nimmt einen kleinen Teil seiner musikalischen Sprache und gibt ihn dem Wind.
Röhrenlänge, Tonhöhe und Resonanz
Auch die Abmessungen eines Klangspiels sind Teil seiner Musik. Vereinfacht gilt: Längere Röhren erzeugen tiefere Töne, kürzere Röhren höhere. Doch Länge allein entscheidet nicht. Auch Durchmesser, Wandstärke, Material und die Stelle, an der eine Röhre aufgehängt wird, beeinflussen ihre Schwingung.
Besonders wichtig ist der sogenannte Schwingungsknoten. An bestimmten Punkten bewegt sich eine schwingende Röhre deutlich weniger als an anderen. Wird sie dort aufgehängt, kann sie vergleichsweise frei schwingen und ihren Ton länger entfalten.
So wird aus einer Aluminiumröhre ein Resonanzkörper – und aus Konstruktion hörbare Musik.
Wenn ein Ton länger bleibt
Wie lange ein Ton nach dem Anschlag hörbar bleibt, bezeichnet man als Sustain oder Nachklang. Beim Bells of Paradise unterstützt eine besondere Aufhängung der Aluminiumröhren einen langen Nachklang. Die Töne verschwinden nicht unmittelbar nach dem Anschlag, sondern überlagern sich mit den folgenden Klängen.
Dadurch entsteht nicht nur eine Folge einzelner Töne. Der vorherige Klang kann noch im Raum stehen, während bereits der nächste beginnt.
Der Wind spielt weiter – aber der vergangene Ton ist noch nicht ganz verschwunden.
Mehr hören, als tatsächlich gespielt wird
Besonders interessant wird Woodstock dort, wo die Akustik selbst Teil des Instruments wird. Das Healing Chime basiert auf einer Naturtonreihe und harmonischen Obertönen. Beim Schwingen eines Klangkörpers entsteht nämlich nicht ausschließlich ein einzelner Grundton. Gleichzeitig können höhere Frequenzen – die Obertöne – mitschwingen.
Unser Gehör setzt solche Frequenzen zu einem komplexen Klangeindruck zusammen. Unter bestimmten Bedingungen können dadurch sogar Tonhöhen wahrgenommen werden, die nicht von einer entsprechend langen eigenen Röhre erzeugt werden.
Beim Healing Chime entsteht so der Eindruck eines größeren Tonumfangs, als seine neun Aluminiumröhren zunächst vermuten lassen. **
Man hört mehr, als tatsächlich gespielt wird.
Ein Instrument für den Wind
Genau diese Verbindung aus Musik und Akustik macht Woodstock Chimes innerhalb unserer Klangspiele besonders.
Mal bildet eine pentatonische Tonleiter den Rahmen. Mal ist es ein Dur- oder Mollakkord, eine musikalische Vorlage oder eine Naturtonreihe. Röhrenlänge, Material, Aufhängung und Resonanz bestimmen anschließend, wie diese musikalische Idee hörbar wird.
Der Wind kennt keine Partitur. Er weiß nicht, welcher Ton als Nächstes kommen soll.
Aber ein gut gestimmtes Klangspiel braucht auch keine festgelegte Reihenfolge.
Die Stimmung gibt den musikalischen Rahmen vor – der Wind spielt die Musik.