Waldmeister Galium odoratum

Der Maitrunk der Germanen.


Dieses 10-30 cm hohe Labkrautgewächs mit vierkantigem geradem Stängel, quirligen Blättern und weißen Blüten findet sich oft wiesenartig verbreitet in schattigen Laubwäldern Mitteleuropas. Blütezeit ist von April bis Juni.


Verwendung

Schon bei den alten Germanen waren mit Waldmeister gewürzte Biere ein beliebtes Rauschmittel, das zu den Mai-Vollmondfesten, bei denen die Vermählung des Sonnengottes Baldur mit der Vegetationsgöttin gefeiert wurde, Verwendung fand. Daraus entstand der bis in die heutige Zeit fortlebende Brauch der mit Waldmeister angesetzten Maibowle. Dafür werden 2-3 Hand voll vor der Blüte gesammeltes Waldmeisterkraut angewelkt, mit (perlendem) Weißwein übergossen, einige Stunden stehen gelassen und dann getrunken.

„Schütte den perlenden Wein auf das Waldmeisterlein.“Benediktinermönch Wandalbertus im Jahr 854


Auch als Zutat in Tees, Spirituosen, Süßspeisen oder als Gewürz wird das Waldmeisterkraut traditionell genutzt.

 

Waldmeister-Galium-odoratum-frisch

Frisch gesammelter Waldmeister


Inhaltsstoffe

In welkem und trockenem Zustand setzt die Pflanze Cumarin frei, das für das typisch süße Waldmeisteraroma verantwortlich ist. Außerdem enthalten sind Asperulosid, Gerb-und Bitterstoffe, fette Öle und weitere Glykoside und Flavonoide.

 

Waldmeister-Galium-odoratum-angewelkt

Angewelkter Waldmeister


Wirkung

Volksmedizinisch wird Waldmeistertee als krampflösendes, durchblutungsförderndes, stimmungsaufhellendes und schlafförderndes Heilmittel eingesetzt. Seine berauschende und aphrodisierende Wirkung machte man sich traditionell bei den Fruchtbarkeit und Lebensfreude spendenden Maifesten zu Nutze, in dem größere Mengen in Wein eingelegter Waldmeister getrunken wurden, um so in Kontakt mit den Naturgeistern und Elementarwesen zu treten.

 

Waldmeister-Galium-odoratum-Illustration

Galium odoratum - Illustration


Nebenwirkungen

Übermäßiger Gebrauch von Waldmeister kann zu Kopfschmerzen führen. Der Hauptinhaltsstoff Cumarin geriet in den 80er Jahren in Deutschland als angeblich leberschädigend in Verruf, was zu einem Verbot von Waldmeister in Lebensmitteln führte. Obgleich diese Annahme schon seit langem widerlegt ist, kann Waldmeister erst durch Inkrafttreten einer neuen EU-Verordnung im Januar 2011 wieder in Lebensmitteln verwendet werden.

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