24. Feb 2015

Das Ayahuasca-Ritual

Teil 4 der Sensatonics Schamanismus-Serie

 

Ayahuasca erfreut sich zunehmender Beliebtheit: Jahr für Jahr wächst der Strom von spirituell Interessierten, die z.B. in die Amazonas-Region pilgern, um dort an Ayahuasca-Sitzungen teilzunehmen. Von den Einheimischen wird dies - teilweise - als willkommener Zuverdienst betrachtet, doch widmen sich diesem Geschäft leider nicht immer nur "echte" Schamanen.

 

In diesem Artikel beschäftigen wir uns jedoch mit der Art von Ritualen, wie sie jenseits touristischer Einflüsse zelebriert und im Buch "Ayahuasca" von Arno Adelaars, Christian Rätsch und Claudia Müller-Ebeling sehr anschaulich beschrieben werden.

 

Die Zubereitung des Ayahuasca-Trankes

Das Ayahuasca-Ritual beginnt bereits Tage vor der eigentlichen Sitzung mit der Zubereitung des psychoaktiven Ayahuasca-Trankes: die Blätter der DMT-haltigen Pflanzen und die Lianenstücke müssen gereinigt, zerkleinert, unter ständigem Rühren auf einen Bruchteil des ursprünglichen Volumens eingekocht und die aktiven Bestandteile exakt abgemischt werden, bevor der Ayahuasca-Trank gebrauchsfertig ist. Dieser Vorgang dauert - je nach Tradition - oft mehrere Tage lang. Der Schamane begleitet den Vorgang ggf. mit rituellen Gesängen und befächelt den Sud mit der Chacapa - dem "Wind des Waldes".

 

Das Ayahuasca-Ritual

Das eigentliche Ayahuasca-Ritual findet in der maloca - der Ritualhütte oder dem Zeremonienhaus des Dorfes - statt. Hier sammeln sich die Teilnehmer meist am Abend und nehmen das Ayahuasca-Getränk zu sich. Laut Christian Rätsch gelten Vollmondnächte bei den Shipibo-Schamanen als besonders wirksam.

 

Die Teilnehmer am Ritual erhalten nun ihre Ayahuasca-Dosis. Die Menge kann meist individuell gewählt werden: beim Ayahuasca-Ritual geht es nicht darum zu beweisen wer am meisten verträgt, sondern um die spirituelle Erfahrung. Dazu muss die Dosis zur Person und ihrer Vertrautheit mit psychoaktiven Phänomenen passen.

 

Ayahuasca führt nach der Einnahme häufig zu Erbrechen. Dies ist ein durchaus erwünschter Effekt, der den Körper reinigt und somit auch auf die Seele wirkt. Danach beginnt die spirituelle Reise. Die Einnahme des Ayahuasca-Trankes und die anschliessende psychoaktive Erfahrung wird - auch hier wieder je nach Tradition - von Gesängen, gepfiffenen Melodien, Trommelrhythmen oder dem Fächeln mit der Huaira Sacha (Chacapa, Wind des Waldes) begleitet. Durch diese akustischen Reize kann die spirituelle Erfahrung strukturiert und gesteuert werden.

 

Die visionäre Philosophie der Ayahuasqueros

Ayahuasqueros betrachten Ayahuasca als ihren eigentlichen Lehrer. Sie führen ihr gesamtes Pflanzenwissen auf die spirituelle Erfahrung zurück und vertrauen sich ihrem Lehrer voll und ganz an.
"Durch die Kraft der Ayahuasca sieht der Schamane die Geistwesen (yoshinbo) oder »Pflanzenmütter«, die in den Pflanzen und Tieren des Waldes, aber auch in den angebauten »Meister- oder »Lehrer«-Pflanzen, wie z.B. Tabak (Mapacho) und Ipadú (Coca), sind. Mit ihnen kommuniziert er, von ihnen erhält er das Wissen um ihr innerstes Wesen. Er lernt so die Bedeutung jedes einzelnen Tieres, jeder einzelnen Pflanze, jeden einzelnen Pilzes, versteht warum jede Art ihren notwendigen Platz im »Kreis des Lebendigen« hat."
Der Weltenbaum gilt dabei als zentrales Element der Visionen: zu Beginn seiner spirituellen Reise sieht der Schamane eine Treppe. Diese führt ihn wie ein Tor durch den Baum in die "heilige Welt des Waldes". Durch den hohlen Stamm gelangt er in die Unterwelt, das Totenreich. Hier liegen häufig Verlockungen und so mache Ursache von Krankheiten. Der Schamane kann durch eine Reise in diese dunklen Bereiche die Seele eines Erkrankten zurück erobern und ihn dadurch heilen - sofern die Erkrankung auf einen

 

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veröffentlicht am 24.02.2015 von fairmarketing, aktualisiert am 24.09.2015 • in Katgeorie(n) Schamanismusbookmark in del.icio.us

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