13. Mar 2015

Schamanische Räucherung

Teil 6 der Sensatonics Schamanismus-Serie

 

Das Räuchern entspringt einer uralten Tradition, die wohl mit der Entdeckung des Feuers begann und bis heute Bestand hat.


So lässt sich nach Wolf-Dieter Storl der Gebrauch von Beifuß als Räucherkraut bis in die Steinzeit datieren. Auch zu Pestzeiten wurden aromatische Stoffe (z.B. Weihrauch, Myrrhe, Wacholder) in Häusern und Schiffen verräuchert, um die Ansteckungsgefahr zu verringern. Im Feng Shui stellt das Räuchern seit Jahrtausenden eine wirksame Maßnahme zur energetischen Reinigung dar - und selbst in den materialistisch geprägten Industrienationen werden noch heute in der Weihnachtszeit traditionell Räucherkegel verbrannt.

 

Wir beschäftigen uns heute jedoch mit den nordamerikanischen und amazonischen Besonderheiten des Räucherns.

 

Nordindianische Räuchertradition:

Im nordindianischen Schamanismus wird vor der Arbeit mit dem Medizinrad in die 4 Himmelsrichtungen geräuchert, wobei jeder Himmelsrichtung ein Element zugeordnet ist.

Dieses Zusammenwirken spiegelt sich auch in den Räucherzutaten: stellvertretend für das Element Wasser wird gerne eine Muschel als Räucherschale verwendet, die Luft wird durch eine Feder zum Fächeln des Rauchs repräsentiert, für das Feuer steht die Glut und die Erde wird durch das Kraut verkörpert.

Steppenbeifuß ist dabei eines der wichtigsten Räucher-Kräuter, denn es hat stark reinigende Qualitäten und vertreibt negative Energien. Ihm werden aber auch spirituelle Kräfte nachgesagt:

"It was sometimes referred to as an "ear opener" because, in addition to the physical ears which deal with sound vibrations carried through the air, the human being has "inner ears" that hear the thoughts, one"s inner dialogue, and also telepathic messages from other humans, from animals, plants, rocks and the "voices" of Nature, and sage was said to open up these "inner ears"."
Kenneth Meadows: The Medicine Way, Dorset 1991 S. 78

 

Räuchern in der Amazonas-Tradition:

In der Ayahuasca-Tradition der Amazonas-Schamananen wird ebenfalls zur Reinigung der Atmosphäre und dem Öffnen des Geistes geräuchert - meist mit Mapacho-Tabak (mehr dazu im Artikel über Tabak in der schamanischen Arbeit), manchmal auch mit Palo Santo oder anderen Hölzern. Dies handhabt jedoch jeder Schamane nach seinen eigenen Erfahrungen:

"Guillermo Arévalo, der Schamane der Shipibo, hat erklärt, dass der Pflanzengeist des Palo Santo mit den Ayahuasca-Geistern in Konkurrenz treten würde und das Ritual stören könnte. Palo Santo dürfe darum nur in ganz speziellen Fällen benutzt werden. Andere Schamanen wieder schwören auf Räucherwerk, besonders auf Copal und heilige Hölzer."
Christian Rätsch in Adelaars et al: Ayahuasca, AT-Verlag, S. 69

Ganz besonders beim Gebrauch entheogener Substanzen wirken sich Duftstoffe stark auf die Psyche aus - Erinnerungen steigen auf, Düfte können manchmal sogar gehört oder gesehen werden. Die Geruchsstoffe wirken aber ebenso pharmakologisch und auf das kognitive Bewusstsein - und sie können dazu dienen, Erfahrungen im Gedächtnis zu fixieren:

"Das rituelle Räuchern ist eine olfaktorische Konditionierung. Gerüche werden im Gedächtnis zusammen mit Geruchswahrnehmungen als Erinnerungen gespeichert."
Christian Rätsch in Adelaars et al: Ayahuasca, AT-Verlag, S. 70

 

Beliebte Räucherstoffe für die schamanische Räucherung:

Die SchamanInnen der verschiedenen Weltregionen nutzen jedoch seit jeher v.a. die Kräuter, Hölzer und Harze für Räucherungen, die vorhanden und für den jeweiligen Zweck geeignet waren.

Gerade im Mittelalter waren Weihrauch und Myrrhe nur für die Wohlhabenden erschwinglich. Weniger begüterte HeilerInnen begnügten sich traditionell mit wild oder im Garten wachsenden Kräutern wie z.B. Beifuss, Lavendel oder Rosmarin - und sie sammelten duftende Harze aus den umliegenden Wäldern (z.B. Fichtenharz).

 

Quellen und Vertiefung:

 

Mehr aus der Sensatonics Schamanismus-Serie

 

veröffentlicht am 13.03.2015 von fairmarketing, aktualisiert am 02.09.2015 • in Katgeorie(n) Schamanismusbookmark in del.icio.us

nach oben
© 2017 Sensatonics GmbH · Teilestr. 11 - 16, Tor 0 · 12099 Berlin · fon: +49 30 / 255 65 279 · fax: +49 30 / 255 65 288 · email: info@sensatonics.de