22. Jan 2015

Der schamanische Zaubertrank

Teil 3 der Sensatonics Schamanismus-Serie

 

Schon in der Vorzeit haben Menschen sich regelmäßig rituell berauscht, zu Festen und Feiern, und - ganz besonders - zu Ereignissen, die einen Wendepunkt im Leben darstellen:

die zeremoniell begangenen Initiationsriten an der Schwelle zum Erwachsenwerden oder am Übergang zum Alter, sowie die Feierlichkeiten zu wichtigen Erlebnissen wie der Vereinigung, der Geburt und dem Tod.

 

Das Berauschen sollte dabei keinen komatösen Zustand bescheren, sondern vor allen Dingen den Zugang zu anderen Wirklichkeiten ermöglichen. Dazu ist der hierzulande legale Alkohol leider nur bedingt geeignet. Vielmehr nutzten die Menschen den Rhythmus von Trommeln (monotone Rhythmen zwischen 80 und 240 bpm), Tänze, Musik, Meditation oder heilige Pflanzen wie z.B. bestimmte Pilze, Nachtschattengewächse, Kakteen und Ayahuasca. Diese machtvollen Hilfsmittel erlaubten es den Menschen - geschützt in der Gemeinschaft - aus dem Alltagsbewusstsein heraus zu treten und neue Welten ebenso wie altes Wissen zu erfahren.

 

In diesem Jahrhundert, da wir die Welt wissenschaftlich entschleiert zu haben glauben, würden wir vielleicht sagen, dass Menschen ihr Gehirn schon immer gerne in den Alpha-, Theta- oder Gamma-Zustand versetzt haben (das sind unterschiedlich tiefe Trance-Zustände, mehr dazu lässt sich bei Wikipedia zur Enzephalographie nachlesen).

 

Für die schamanischen Kulturen der Amazonasregion gehören Erfahrungen des Bewusstseinswandels jedoch auch heute noch zum Zusammenleben. Bevorzugt nutzen die Menschen am Amazonas dazu die sogenannten Meisterpflanzen - Pflanzen mit psychoaktiver Wirkung, auch "Pflanzen der Götter" genannt. Diese erlauben ihnen den Zugang zur "wahren Wirklichkeit" und der Heilung von seelischen und körperlichen Krankeiten.

 

Die Menschen im Amazonasgebiet haben ein besonderes Verhältnis zu Planzen, die sie - ebenso wie Tiere - als ihre Brüder und Schwestern betrachten und ihnen mit großem Respekt begegnen. Dies gilt natürlich besonders für die Meisterpflanzen. Dieser Respekt spiegelt sich bereits in der Zubereitung des Zaubertranks, die meist auch schon ritual-artigen Charakter hat: "Sie [die Zubereitung] wird an bestimmten Orten, zu bestimmten Zeiten und unter Gesängen und Gebeten begangen." (Adelaars et al, S. 33)

 

Der Ayahuasca-Trank besteht dabei immer aus Schlange (der Liane Banisteriopsis caapi, deren Anteil an ß-Carboolinen als MAO-Hemmer wirkt) und Jaguar (Blätter von DMT-haltigen Pflanzen). Erst durch diese Zusammensetzung wird die psychedelische Erfahrung möglich: der MAO-Hemmer sorgt dafür, dass die psychoaktiven Substanzen nicht bereits im Magen zersetzt werden, sondern die Blut-Hirn-Schranke überwinden und die Visionen überhaupt auslösen können. Die genaue Zusammensetzung ist jedoch von ayahuasquero zu ayahuasquero verschieden: jeder hat seine ganz eigene Rezeptur.

 

Mehr zum Ayahuasca-Ritual erfahrt Ihr in der nächsten Folge.

 

Literatur und Infos:

 

Mehr aus der Sensatonics Schamanismus-Serie

 

veröffentlicht am 22.01.2015 von fairmarketing, aktualisiert am 02.09.2015 • in Katgeorie(n) Schamanismusbookmark in del.icio.us

nach oben
© 2017 Sensatonics GmbH · Teilestr. 11 - 16, Tor 0 · 12099 Berlin · fon: +49 30 / 255 65 279 · fax: +49 30 / 255 65 288 · email: info@sensatonics.de