06. May 2015

Das schamanische Pflanzenverständnis

Teil 9 der Sensatonics Schamanismus-Serie

 

Die Betrachtungsweise von Pflanzen und Tieren in schamanischen Kulturen unterscheidet sich deutlich von jener in den Industrienationen:


In den "fortschrittlichen" Kulturen ist es gang und gäbe Tiere und Pflanzen als Ware zu behandeln, in Massenzuchtbetrieben schnellstmöglich zu mästen, zu schlachten und in Einzelteilen gewinnbringend zu verkaufen. Ebensowenig werden Pflanzen als Lebewesen, sondern als reine Handelsgüter betrachtet: sie werden gekreuzt, patentiert, gentechnisch manipuliert, verboten, industriell verarbeitet - und so manche Pflanze wird schlicht als Schadstoff (Unkraut) betrachtet und mit chemischen Mitteln ausgerottet.

 

Respektvoller Umgang mit Pflanzen

In naturnahen Gesellschaften ist bereits das Konzept von Unkräutern nicht oder kaum verbreitet: Gärten können vielmehr essbare Landschaften sein, in der jede Pflanze ihre ganz besonderen Funktionen erfüllt. Diese Fähigkeiten werden nicht isoliert betrachtet, sondern als synergetische Kombination, die erst in dieser speziellen Zusammensetzung ihre volle Kraft entfaltet.

 

Besonders auffallend ist auch der Respekt, mit dem die Menschen in schamanischen Traditionen sowohl Tieren als auch Pflanzen begegnen: beide gelten als Brüder und Schwestern der Menschen, die uns vieles lehren können und die wir als wertvolle Lebewesen achten - auch wenn sich ihre Seinsweise von der unseren unterscheidet. Für den Pflanzenkundigen Wolf-Dieter Storl sind Pflanzen makrokosmische, d.h. zum Kosmos ganz geöffnete und quasi nach aussen gestülpte Wesen:

"Als Menschen sind wir in uns abgeschlossene, geistig-seelisch vollständig inkarnierte Mikrokosmen. Die Pflanzen dagegen bleiben makrokosmisch offen. Sie grenzen sich nicht ab, sie führen kein individualisiertes Innenleben."
Wolf-Dieter Storl: Kräuterkunde (eBook). Aurum, Bielefeld 2012, Pos. 602

 

Kontakt zu Pflanzen und Pflanzengeistern

Bevor ein Schamane eine ganze Pflanze oder auch nur Teile von ihr nimmt, baut er eine Verbindung zu dieser Pflanze auf - indem er beispielsweise mit ihr spricht, sie um ihre Gaben bittet, meditiert. Eine Verbindung kann auch durch das Hegen und Pflegen der Pflanze geschaffen werden - hier ist Achtsamkeit und Offenheit für die im Alltagsbewusstsein oft leise Form der Pflanzenkommunikation erforderlich.

 

Zu manchen Pflanzen kann der Schamane oder die Schamanin eine besonders enge Verbindung aufbauen, dies werden ihre Pflanzen-Verbündeten. Bei diesen Verbündeten muss nicht jedes Mal ein ausführliches Gebet gesprochen oder eine Art Annäherungsritual abgehalten werden. Wie Wolf-Dieter Storl es ausdrückt: "Das ist wie bei guten Freunden: als Fremder unterhalte ich mich zuerst und lerne die Leute kennen. Ich renne nicht einfach ins Haus, leihe mir ein Werkzeug und gehe wieder. Bei guten Freunden, mit denen ich Tag für Tag zu tun habe, ist das etwas ganz anderes." So ähnlich ist es auch mit Pflanzenfreunden.

 

Es gibt auch sehr mächtige Pflanzengeister, die große Lehrer und Meister sein können. Diese Meisterpflanzen bzw. deren Geister werden Devas genannt. Die Ayahuasqueros des Amazonasbeckens sind überzeugt, dass sie ihr Wissen um die Wirkkraft der Pflanzen, ihre Mischungen und Anwendungsgebiete von Ayahuasca (das Wort wird in verschiedenen Zusammensetzungen genutzt - hier steht es für den Pflanzendeva) erhalten.

 

Kann die Biophotonik pflanzliche Kommunikation erklären?

In seinem Buch "die kosmische Schlange" begibt sich Jeremy Narby auf eine Entdeckungsreise, in der er u.a. die Kommunikation mit Pflanzen zu erklären sucht. Angeregt von der DNA-artigen Struktur der kosmischen Schlangen aus seinen Ayahuasca-Erfahrungen stiess er auf die Erkenntnisse der Biophotonik. Narby stellte die These auf, dass die Einnahme von Ayahuasca zur Aktivierung spezieller Rezeptoren führt, die die Wahrnehmung dieser Biophotonen ermöglicht:

"Die Nikotin- oder Dimethyltryptaminmoleküle des Tabaks bzw. des ayahuasca aktivieren ihre jeweiligen Rezeptoren, die innerhalb des Neurons eine Kaskade elektrochemischer Reaktionen in Gang setzen; das führt zu einer Stimulation der DNS und insbesondere zur Emission von sichtbaren Wellen, die die Schamanen dann als »Halluzinationen« wahrnehmen."
Jeremy Narby: Die kosmische Schlange. Klett-Cotta 2011, S. 139

 

Schamanische Ansätze zur Pflanzenkommunikation finden unter WissenschaftlerInnen normaler Weise wenig Beachtung. Interessant ist jedoch der bereits Anfang der 80er Jahre erbrachte Nachweis, dass in fast allen lebenden Zellen eine Emission von Bio-Photonen statt findet:

"Despite serious experimental difficulties it is now clear to every scientist working in this field that photon emission could be detected from nearly all living cells."

 

Der Wald als umfassend vernetzter Lebensraum

Doch ganz gleich auf welche Weise wir uns die Interaktionen von Pflanzen erklären - dass sie auf komplexe und für uns nicht unbedingt definierbare Weise miteinander kommunizieren, steht außer Frage. In einer schamanisch-ganzheitlichen Weltsicht stellt z.B. der ganze Wald ein einziges großes System dar, das von den tiefsten Wurzeln bis in die lichthungrigen Spitzen miteinander verwoben ist. Besonders die überall im Boden wachsenden Pilz-Myzele gehen eine Symbiose mit den Wurzeln der Pflanzen ein und bilden ein nährendes Geflecht, das diesen einzigartigen Lebens- und Kommunikationsraum verbindet:

 

"Die mykorrhizale Vernetzung über viele Hunderte von Quadratkilometern verbindet Bäume, Gräser, Kräuter und Sträucher mit dem ständigen Fluß von chemischen und energetischen Signalen und Informationen, der das Biotop eines Waldes, einer Wiese oder eines Feldes koordiniert und sinnvoll reguliert. Der Ethnobotaniker und Pilzexperte Terence McKenna spricht diesbezüglich von einer »vegetabilen Intelligenz«. Er vergleicht den Waldboden in seiner kybernetischen Komplexität mit unserem Gehirn. […] Unser Gehirn besteht aus rund 10 Milliarden Zellen, und jede Zelle hat Verbindung zu circa 25.000 anderen Zellen. […] Ähnlich der durchpilzte Boden des gesunden Ökotops: Wir haben es da mit einem makrokosmischen »Nervensystem« zu tun."
Wolf-Dieter Storl: Kräuterkunde (eBook). Aurum, Bielefeld 2012, Pos. 67312, Pos. 673

 

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veröffentlicht am 06.05.2015 von fairmarketing, aktualisiert am 02.09.2015 • bookmark in del.icio.us

2 Kommentar(e):

20. May 2015, 13:13:48 von Annette
So faszinierend für mich und genau sie Weltanschauung , die auch ich fühle, habe, lebe......
05. Jul 2015, 07:54:17 von Regina Krämer
ich muß gestehen, das ich das noch nie so gesehen habe, als Ganzes --aber logisch
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